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Das war schon ein merkwürdiger Kauz, der da in das Nachbarhaus
eingezogen war vor einigen Jahren. Alleine die Art, wie er an das Haus gekommen ist! Ein anderer hat es ihm nämlich eigentlich vor der Nase weggeschnappt, und so schrieb er einfach einen Zettel und steckte ihn in
den Briefkasten des Hauses. Denn in diesem Land kann man alles haben, wenn man genug Geld hat.
Also zog er ein - der Städter mit Frau und Hund. Den Hund
konnte er eigentlich nicht leiden - das merkte man daran dass er ihn beinahe täglich mit dem Gartenschlauch abduschte bis er sich hinter der Frau verkroch.
Im Haus wurde gehämmert und gesägt und im Garten ein grosses
Loch gegraben, das mit Folie ausgelegt wurde. Ein Gartenteich sollte es wohl werden, mit Schilf am Rand und Seerosen in der Mitte. Tatsächlich blühten nach einiger Zeit Sumpfdotterblumen am Ufer und Libellen
schwirrten durch die Luft.
Bis der Nachbar eines Tages mit einer Kiste ankam. Keiner
wusste genau, was es war, das er da vorsichtig in dem Pappkarton den Weg hinunter trug. Nach ein paar Tagen hörten wir ein helles Geschnatter und lugten über den Zaun. Zwei leuchtend gelbe Entenküken zogen ihre
Kreise auf dem von der Frau liebevoll gepflegten Gartenteich. Sie waren ja wirklich putzig anzuschauen, die kleinen Tiere, wie sie Köpfchen in das Wasser tauchten und fröhlich über das Gras watschelten.
Doch bald wurden die Küken grösser - sie entwickelten sich zu
einem prächtigen Erpel und einer nicht weniger ansehnlichen Entendame, die sich eines Tages in den Büschen verkroch um dort zu nisten. 30 Eier hat die Ente gelegt und die die der Nachbar nicht fand sorgsam unter
Stroh verborgen! Am Schluss verliess die Ente ihr Nest nur noch ein paar Minuten am Tag - um sich schnell ein wenig am Wasser zu erfrischen.
Um den Teich vor den Enten zu schonen, hatte der Mann ein
Gehege eingezäunt und darin eine alte Badewanne aufgestellt. Das ging auch eine Weile gut - bis zu dem Tag als die Jungen kamen. 14 Küken schlüpften innerhalb ein paar Stunden und suchten sich sofort den Weg in das
Wasser. Weil sie noch sehr klein waren, krochen sie einfach unter dem Zaun durch und nahmen den immer noch ansehnlichen Teich in Beschlag.
Innerhalb kurzer Zeit war aus dem einst hübsch anzusehenden
Teich eine stinkende Kloake geworden. Unser Nachbar beschloss daher, sich von den Enten zu trennen. Die Jungen waren jetzt knapp 10 Wochen alt, eigentlich das beste Alter für einen Sonntagsbraten. Wenn ihr jetzt
glaubt, unser Nachbar hätte die Enten geschlachtet, hab ihr euch schwer getäuscht! Er packte alle Enten in einen grossen Sack und setzte sie im Sumpfgebiet der näheren Umgebung aus.
Den Hund duschte er nicht nur, mittlerweile trat er ihn auch in
den Hintern wenn die Frau gerade nicht da war. Der Mann erneuerte das Wasser im Teich, und die Frau setzte neue Pflanzen ein. Aus dem schmutzigen Loch wurde wieder ein ansehnlicher Wassergarten. Bis der Nachbar
wieder mit einer Kiste kam.
Diesmal waren es Gänseküken. Unser Nachbar hatte die Hoffnung,
dass die Gänse vom Wasser Abstand nahmen und sich mit der Wiese zufrieden geben würden. So verkehrt war das auch gar nicht gedacht - nur dass er wieder ein "Paar" erwischt hat und die Gänse grösser wurden
- ein ausgewachsener Ganter und sein Weibchen. Der Hund und die Gänse respektierten sich und gingen jeder seine Wege. Weil Gänse sehr sensibel sind, liessen sie sich nur von der Frau einfangen - unseren Nachbarn
zwickten sie regelmässig wenn sie ihn erwischten. Das war ihm natürlich zutiefst zuwider.
Während wir Nachbarn uns mit den Gänsen arrangierten und Fremde
das Grundstück nicht mehr betraten, überlegte unser Nachbar wie er sich seines Federviehs entledigen könnte. Mit eineinhalb Jahren waren sie schon lange ausgewachsen und kräftig genug, einem Erwachsenen den kleinen
Finger durchzubeissen. Dass unser Nachbar mit Mensch und Tier nicht gerade zimperlich umging, spürten die Gänse und liessen keine Gelegenheit aus, ihren ungeliebten Herrn zu zwicken wo es nur ging. Also mussten sie
weg.
In einer Nacht und Nebel Aktion hat er sie von seiner Frau
einfangen lassen und im Stadtgraben ausgesetzt. Die lokale Presse hat später darüber berichtet - niemand wusste damals wie plötzlich die Graugänse in den Stadtgraben kamen.
Der Nachbar ist mittlerweile weggezogen - wer weiss was wir
sonst noch erlebt hätten.
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